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Millionenteure Fischleiter für drei Kilometer Fluss

Reutte – „Material“ sammelten die Abgeordneten der Landtagsfraktion ImpulsTirol, ehemals Vorwärts Tirol, kürzlich bei einem Außerferntag mit Betriebsbesuchen. Unter anderem machten die Abgeordneten auch den Reuttener E-Werken die Aufwartung und bekamen dort auch Sorgen des heimischen Energieerzeugers präsentiert. So sollen die EWR seit fast sechs Jahren auf eine Antwort der Landes warten, ob sie den Rotlech­stausee spülen dürfen. „2010 hatte der Stromversorger den Antrag gestellt. Das Becken ist inzwischen zu fast drei Vierteln voll“, wundert sich LA Maria Zwölfer. Die Problematik: Die Spülung des Staubeckens muss in den Rotlech und folgend den Lech erfolgen, also direkt in Natura-2000-Gebiet.  

EWR-Vorstand Christoph Hilz bestätigt die unbefriedigende Warteposition. „Wir sind seit Langem in Gesprächen mit der Landesregierung. Heuer ist auch eine Mure in den Stauseebereich abgegangen. Wir sollten längst spülen, ja sind sogar gesetzlich dazu verpflichtet.“ Immer wieder habe man die behördlichen Fragen beantworten können – etwa Schwallberechnungen geliefert oder Flussmodellierungen erstellt – trotzdem fehle weiter die Genehmigung. 2016 sollte mit Einsetzen des Schmelzwassers unbedingt gespült werden. Tue man es ohne Genehmigung, mache man sich strafbar.  

Leo Satzinger, Leiter der Abteilung Wasserrecht beim Land Tirol, ist kein aktueller Antrag seitens der E-Werke Reutte in Sachen Spülung Rotlech­stausee bekannt. 2010 habe es in dieser Sache Erkundigungen der EWR darüber gegeben, welche Stellen zuständig seien, mehr aber nicht. „Aber selbstverständlich gibt es auch eine Pflicht zum Spülen. Wenn das nicht geschieht, kann das Kraftwerkirgendwann nicht mehr betrieben werden. Der Betriebsstillstand droht.“ Die Naturschutzabteilung des Landes bestätigt hingegen, dass ein „Naturschutzverfahren tatsächlich schon länger läuft“. Hier müsse wegen Natura2000 genauer hingeschaut werden. In einem Erstgutachten hätten sich größere Probleme gezeigt.  

EWR-Vorstand Hilz, seit einem Jahr im Amt, sieht es als seine Aufgabe, bestehende Strukturen zu hinterfragen. Und so wies er LA Maria Zwölfer auch auf die Ungereimtheit hin, dass die E-Werke beim Kraftwerk Kniepass eine millionenschwere Fischleiter für nur drei Kilometer Flussstrecke errichten müssen. Denn im Unterlauf der Staumauer befindet sich der neun Meter hohe Lechfall in Füssen. Diesen überwinde seit Menschengedenken kein Fisch. Hilz räumt zwar ein, dass in diesem Abschnitt auch die Vils in den Lech münde, die Kosten-Nutzenrechnung sei aber katastrophal. Die E-Werke müssten am Pflacher Kniepass und am Wehr Höfen Millionen von Euro in die Hand nehmen, um künftig wegen der Fischtreppe 20 Prozent weniger umweltfreundlichen Strom erzeugen zu können, damit Fische im besten Fall vom Tannheimer Tal ins Lechtal schwimmen können.

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