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AKTUELLE LAGE GASVERSORGUNG

Angesichts der aktuellen Lage in der Ukraine stellt sich vermehrt die Frage nach der Versorgung mit Gas für österreichische Kundinnen und Kunden, insbesondere für Haushalte, aber auch für Gewerbe und für die Stromversorgung. Nachfolgend findest du Antworten auf aktuell häufige Fragen. Dieser Beitrag wird fortlaufend aktualisiert, sollte sich an der Situation etwas ändern. Weitere Informationen findest du auf der Website der e-Control, den tagesaktuelle Lagebericht auf der Website der Austrian Gas Grid Management AG.

Der Blick auf die aktuellen Gasflüsse, in die Gasspeicher und auf die Verbräuche der letzten Jahre sagt uns: Nein, bis ins Frühjahr hinein bekommen die Haushalte kein Problem mehr. Selbst wenn alle Lieferungen aus Russland gestoppt würden, reichen die Vorräte in den Gasspeichern und die übrigen Gaslieferungen aus. In Österreichs Gasspeichern lagern derzeit über 78 TWh (Stand: 25. Jänner). Damit sind die Gasspeicher in Österreich zu gut 81% gefüllt.

Am 20. Dezember ist in Russland eine Explosion an einer Gaspipeline gemeldet worden, über die Gas nach Europa geliefert wird. Laut Gazprom wurden die Gasströme jedoch umgeleitet. Dies bestätigen bislang auch die stabil eingehenden Gasflüsse nach Österreich.

Österreich hat seine Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen innerhalb von wenigen Monaten auf nur noch 21 Prozent im September senken können. Unsere Berechnung weist die Import-Anteile jetzt erstmals aus. Im Februar 2022, zu Kriegsbeginn, waren es noch 79 Prozent, lange Zeit sogar 80 Prozent.  In den vergangenen Jahrzehnten hat Österreich immer stark auf Pipeline-Gas aus Russland gesetzt, was unter anderem an der geografischen Nähe und dem fehlenden Zugang zu Seehäfen lag. Seit Kriegsbeginn wurden neue Wege für Importe erschlossen, die den Anteil an russischem Gas erheblich gesenkt haben. Die nachfolgende Grafik zeigt den geschätzten monatlichen Anteil russischen Gases an den gesamten österreichischen Gasimporten. Der Anteil aus sonstigen Quellen setzt sich aus norwegischem Gas, Flüssiggasimporten (sog LNG) und  möglicherweise - zu kleinen Teilen - Gas aus Nordafrika bzw. Zentralasien zusammen. Hinzu kommt noch die österreichische Produktion, die ca 5-10% des Gasverbrauchs ausmachen kann. Die nicht-russischen Importe erfolgen im Wesentlichen über die Routen durch Deutschland und Italien.

Österreich war über die letzten Jahre für elektrische Energie ein Netto-Importland. Die nationale Erzeugungssituation ist saisonal unterschiedlich. Im Sommerhalbjahr steht mehr Erzeugung zur Verfügung. Im Winter wird tendenziell stärker importiert. Stromerzeugung aus Gaskraftwerken ist gerade im Winterhalbjahr unbedingt erforderlich. Die notwendigen Gasmengen dafür werden auch bereitgehalten. Im Kontext der derzeitigen Situation sind zyklische zukunftsgerichtete Prüfungen der Erzeugungs- und Lastsituation für unterschiedliche Zeithorizonte (Jahr, Saison, Woche, Folgetag) von besonderer Bedeutung, diese werden regelmäßig durch den Regelzonenführer in enger Abstimmung mit benachbarten Übertragungsnetzbetreibern und auf Basis genehmigter Methoden durchgeführt. Die zuletzt durchgeführten Analysen im Rahmen des vorläufigen ENTSO-E Winter Outlooks zeigen trotz der angespannten Situation im Wesentlichen keine kritischen Resultate für Österreich, die auf Einschränkungen der Stromversorgungssituation im Winter 2022/23 schließen lassen (https://www.entsoe.eu/outlooks/seasonal/).

Die Erzeugung elektrischer Energie aus Gas ist in Österreich im Winter erforderlich. Der Bedarf dafür besteht aus mehreren Gründen – einerseits zur Deckung der Stromnachfrage, andererseits zur Stabilisierung des Netzbetriebs und letztlich auch zur Deckung des Wärmebedarf aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (z.B. für Fernwärme). Eine potenzielle Gasmangellage hätte damit besonders im Winter Einfluss auf die Versorgungssicherheit im Strombereich.

Ausfälle der Stromversorgung sind in Österreich typischer Weise lokal begrenzt und auch im internationalen Vergleich sehr selten. Im Jahr 2021 haben die geplanten und ungeplanten Versorgungsunterbrechungen rund 37 Minuten pro Kunde und Jahr betragen. Damit liegt die Versorgungszuverlässigkeit in Österreich aktuell bei 99,99 Prozent (siehe Ausfall- und Störungsstatistik Strom für Österreich 2022).

Die sichere und zuverlässige Systembetrieb ist die zentrale Aufgabe der Netzbetreiber, um die Stromversorgung der Österreicherinnen und Österreicher zu gewährleisten. Dafür sorgen durchdachte, bewährte nationale und grenzüberschreitende Betriebsführungs- und Schutzkonzepte sowie abgestimmte Prozesse zwischen allen handelnden Akteuren. Die gute Aus- und Weiterbildung des Personals ist essenziell. Dazu kommen periodische Trainings am Netzsimulator und regelmäßige Krisenübungen gemeinsam mit den relevanten Akteuren des Energiesystems auf nationaler und europäischer Ebene.

Ein ungeplantes Ereignis im Stromnetz abseits des Normalbetriebs, das überregionale Auswirkung hat, nennt man Großstörung. Das heißt noch nicht unmittelbar, dass eine solche Großstörung auch großflächige Stromausfälle zur Folge hat. Beispielsweise hat ein Vorfall der am 8.1.2021 zu einer Systemtrennung des europäischen Verbundnetzes geführt, ohne Stromausfälle zu verursachen. Großstörungen können beispielsweise durch technisches Gebrechen, menschliches Versagen oder durch bewusste Manipulation eintreten. Die Betriebsführungs- und Schutzsysteme sind so ausgelegt, dass auch außergewöhnliche kritische Situationen beherrschbar sind. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Großstörung eintritt, wird als sehr gering eingeschätzt. In Übungen konnte zudem gezeigt werden, dass ein großflächiger Stromausfall in wenigen Stunden wieder behoben werden kann.

Die Strombörsen verwenden zur Preisfindung (der Deckung von Angebot und Nachfrage) das Einheitspreisverfahren. Sämtliche Angebots- und Nachfragepositionen werden gereiht (Merit-Order) und der Schnittpunkt zwischen Angebots- und Nachfragekurve determiniert den Handelsabschluss. Alle Gebote, die bezuschlagt werden, erhalten jenen Preis des höchsten Angebots, das noch notwendig ist, um die Nachfrage zu decken. Typischer Weise stellen Gaskraftwerke (oder Kohlekraftwerke) jene Gebote dar, die notwendig sind, um die Nachfrage noch zu decken und bestimmen damit die Börsepreise. Prognosen über zukünftige Preisentwicklungen sind derzeit mit hohen Unsicherheiten behaftet.

Grundsätzlich haben Energieversorger die Möglichkeit, sich ihre, auf Verträgen mit Endkunden basierenden, prognostizierten Absatzmengen bilateral (Over-the-Counter OTC) bei Stromerzeugern oder auf Großhandelsmärkten (Börsen) zu sichern. Üblicherweise werden die prognostizierten Mengen abhängig von der Unternehmensstrategie zu einem gewissen Anteil frühzeitig vor Lieferdatum mit entsprechend langfristigen Produkten gesichert und nur geringe Mengen auf den kurzfristigen Märkten (Day-ahead, intraday) zugekauft, um in Summe das Preisrisiko zu minimieren.

Das Krisenkabinett der Bundesregierung hat am 30. März gemeinsam mit der E-Control die Frühwarnstufe im Notfallplan für die Gasversorgung ausgerufen. Grund dafür war die Ankündigung Russlands, wonach Gaslieferungen künftig nur noch in Rubel bezahlt werden sollen. Als direkte Folge der Frühwarnstufe wurde seither das bereits seit 24. Februar bestehende Überwachungs- und Monitoring-System noch weiter verdichtet.

Die aktuelle Situation in Deutschland ist im Moment deutlich anders als in Österreich. Die Gasflüsse nach Deutschland sind erheblich mehr eingeschränkt als jene nach Österreich.

In Österreich kommt nach wie vor so viel Gas an, dass nicht nur der tägliche Verbrauch damit gedeckt werden kann, sondern auch weiterhin eingespeichert wird. Die Voraussetzung für die Ausrufung der Alarmstufe laut Notfallplan ist in Österreich somit derzeit (noch) nicht gegeben. Selbstverständlich wird die Situation weiterhin beobachtet und es ist die Ausrufung der Alarmstufe zu einem späteren Zeitpunkt nicht auszuschließen.

Würde Österreich die Alarmstufe ausrufen, würde es in erster Linie zu Sparaufrufen in der Bevölkerung kommen. Energie einzusparen – in welcher Form auch immer – ist aber unabhängig davon das Gebot der Stunde. Und dabei können auch bei Gas bereits jetzt im Sommer Maßnahmen getroffen werden, um in der kalten Jahreszeit weniger Gas zu verbrauchen. Hier geht es zum Beispiel darum, Fenster abzudichten, die Gastherme bereits jetzt warten zu lassen, beim Duschen (wenn mit Gas geheizt wird) weniger Wasser zu verbrauchen usw. Aber auch der Verzicht auf die Klimaanlage im Sommer hilft dabei, Energie einzusparen.

Auf diesem Weg gelangen rund 50%-60% der russischen Gaslieferungen nach Österreich. Der Anteil an russischem Gas, der über die Ukraine in die EU kommt, liegt bei ca. 10%.

Österreich kann über andere Transportwege Flüssiggas (liquefied natural gas, LNG) oder verstärkt Mengen an anderen Großhandelsmärkten einkaufen. LNG wird z.B. in Schiffterminals in Italien angelandet und kann dann über Pipelines von dort nach Österreich gelangen. Auch kann noch auf andere Produzenten von Erdgas ausgewichen werden, wie beispielsweise Norwegen.

In diesem Fall träte die sogenannte „Energielenkung“ auf Basis des Energielenkungsgesetzes 2012 in Kraft. Es würden dann, beginnend mit großen Verbrauchern wie z.B. Industriebetrieben, für bestimmte Verbrauchergruppen Einschränkungen für den Gasverbrauch durchgesetzt werden. Hierbei gibt es vorbereitete Abstufungen. Haushaltskunden sind dabei sogenannten „geschützte Verbraucher“ die damit als allerletzte von Verbrauchseinschränkungen betroffen wären.

Genau lässt sich das derzeit noch nicht voraussagen, da es, neben der politischen Situation, auch von der Nachfrage und damit u.a. auch vom Wetter und dem Verlauf des übrigen Winters abhängt. Sicher ist, dass die Gaspreise auf absehbare Zeit hoch bleiben werden.

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